Nisthilfen für Insekten selbst bauen

Hier findet Ihr Tipps und Infos für einen insektenfreundlichen Garten, inkl. Bauanleitungen für "Insektenhotels", die Kindern wie Erwachsenen schöne Naturerlebnisse ermöglichen und gleichzeitig den Insekten helfen

Garten & Balkon
Von Anna Biß, 26.09.2023 0 Kommentare

Eine Nisthilfe für Insekten zu bauen ist gar nicht so schwer – könnte man meinen. Doch es gibt einiges zu beachten, damit sie angenommen wird und den Insekten wirklich hilft. Viele der im Handel angebotenen "Insektenhotels" erfüllen allerhöchstens dekorative Zwecke, sind für Insekten aber weitestgehend wertlos. Das liegt vor allem an ungeeigneten Materialien (zum Beispiel Kiefernzapfen, Hackschnitzeln oder Stroh), die vielleicht kleine Krabbeltiere wie Asseln und Ohrenkneifer, aber sicher keine gefährdeten Wildbienenarten anlocken.

Negativbeispiel für ein selbst gebautes Insektenhotel
Gut gemeint, aber nicht gut gemacht: Bei diesem selbst gebauten Insektenhotel wurde viel Raum für ungeeignete Materialien (Kiefernzapfen, Heu, Hirnholz) verschwendet. Außerdem ist der Vogelschutzdraht mit zu wenig Abstand befestigt, sodass die Insekten in die vorhandenen Löcher nicht immer ungehindert einfliegen können

In manchen Fällen könnte sogar schon von Verbraucher*innen-Täuschung die Rede sein. So finden sich Insektenhotels im Handel, die beispielsweise für Wildbienen viel zu große Röhren enthalten oder die zwar vordergründig Löcher aufweisen, während sich dahinter statt einer Niströhre nur ein Hohlraum befindet. Letzteres ist schon wirklich Betrug – am ahnungslosen Kunden und am Tier!

Eine gute Insektennisthilfe orientiert sich hingegen am Vorbild der Natur (und da spielt Optik nur eine untergeordnete Rolle). Was Wildbienen vor allem brauchen sind hinten verschlossene Niströhren verschiedener Größe und Durchmesser und – ganz wichtig – neben einer Nisthilfe auch eine nahegelegene Wasserstelle sowie drumherum eine insektenfreundliche Umgebung. Ohne für die Tiere geeignete Futterpflanzen in unmittelbarer Nähe, ist jede noch so schöne Nisthilfe sinnlos. Wer Insekten also wirklich helfen möchte, gestaltet zuallererst seinen Garten insektenfreundlich.

Insektennisthilfe sinnvoll – ja oder nein?

Jein! Als Ergänzung für einen naturnahen Garten oder eine Naturfläche beziehungsweise zur Naturerziehung ist eine durchdachte Nisthilfe auf jeden Fall eine gute Sache. Die Insekten retten tun wir allein damit aber nicht. Denn aus artenschutztechnischer Sicht bringen die Nisthilfen oft weniger als wir denken.

Das liegt daran, dass die Arten, die ein "Insektenhotel" besiedeln, in der Regel zu den ohnehin häufigen Arten gehören. Zudem nisten ein Großteil der Wildbienenarten, vor allem die gefährdeten, nicht in Röhren, sondern im Boden. Sie bräuchten folglich vielmehr Kulturbrachen, stillgelegte Kiesgruben, Magerrasen-Wiesen oder Binnendünen für ihre Brut. Zu ihrer Unterstützung kann daher das Anlegen eines Sandariums, gegebenenfalls auch ergänzend zur Nisthilfe, sinnvoll sein.

Wildbienennest im Sandboden
Viele Wildbienenarten nisten im Boden – sie können wir durch Naturbrachen oder das Anlegen eines Sandariums unterstützen

Insektennisthilfe: Wissenswertes

  • WO? Naturbrache, Blühwiese oder Blühstreifen, naturnaher Garten, Terrasse oder Balkon mit ausreichend Futter-, Nistmaterial- und Wasserangebot in unmittelbarer Umgebung
  • FÜR WEN? Wildbienen, solitär lebende Wespen, Erz-, Gold- und Schlupfwespen und andere Hautflügler
  • WIE? Nach Süden ausgerichtet, an einem trockenen, sonnigen Platz; vor Nässe und ggf. Vögeln und kleinen Räubern geschützt

Bau einer geeigneten Nisthilfe für Insekten

Positivbeispiel für ein einfaches Insektenhotel
Mit wenigen Materialien wurde hier eine für Wildbienen und Co. wirklich nützliche Nisthilfe gebaut

Materialien: Ihr braucht ...

... für den Rahmen:

  • stabiles Hartholz, Planken oder Palettenholz und bestenfalls eine stabile Rückwand, können auch Reste sein
  • ggf. Volierendraht o.ä. als Vogelschutz

... für die Füllung:

  • abgelagertes, unbehandeltes Hartholz von Laubgehölzen wie Esche, Eiche, Kastanie, Haselnuss oder Ulme, z. B. als Balken oder Stammabschnitt
  • Hohle Halme aus Bambus und / oder Schilf (an einer Seite verschlossen)
  • Markhaltige Stängel, z. B. vom Bambus, Holunder oder von der Brombeere
  • ggf. Lehm und Sand

... das richtige Werkzeug:

  • Bohrmaschine oder Handbohrer und Bohrer verschiedener Länge und Durchmesser
  • Sandpapier oder Schwingschleifer
  • Hammer, Nägel, Schraubendreher, Schrauben etc.
  • Messer, Metall- oder Holz-Handsäge oder Gartenschere

...für das Drumherum:

  • Regio-Saatgut für Wildblumen-Wiese oder Schmetterlings- und Wildbienen-Saum, z. B. von Rieger-Hofmann
  • flache Schale o. ä. als Insektentränke, zusätzlich größere flache Steine, Blähton, Moos oder kleine Kieselsteine als Landeplatz
  • Wildhecken, Sträucher und ähnliches

Insektennisthilfe: Tipps für den Eigenbau

Baumstumpf mit Niströhren
Vorbild Natur: Totholz ist ein wunderbarer Nistplatz

  • an der Natur orientieren: Stammabschnitte oder Balken aufrecht stellen und seitlich anbohren (nicht ins Hirnholz); markhaltige Stängel einzeln oder gebündelt aufrecht stellen; hohle Halme mit der Öffnung nach vorne hinlegen und ggf. hinten verschließen (falls kein natürlicher "Verschluss" vorhanden ist)
  • verschiedene Bohrungen und Materialien anbieten: Bohrungen von zwei bis neun Millimeter im Durchmesser (nicht größer!) mit einer Länge von mindestens fünf bis sechs Zentimetern, je tiefer desto besser, denn bei manchen Wildbienenarten entstehen in kürzeren Niströhren nur Männchen
  • Leerräume in größeren Nisthilfen mit Lehm-Sandgemischen füllen: verschiedene Mischungsverhältnisse ausprobieren
  • Bohrlöcher glätten: Bohrlöcher oder Stängelabschnitte mit Schleifpapier oder Schwingschleifer glätten, damit sich die filigranen Insekten nicht an Splittern o. ä. verletzen
  • Vogel- und Nässeschutz nicht vergessen: damit die Brut nicht durch Feuchtigkeit (Schimmelgefahr!) oder Vögel gefährdet wird, empfiehlt sich ein Dach überstehen zu lassen und einige Zentimeter vor den Niströhren etc. einen engmaschigen Draht zu befestigen, insbesondere wenn Buntspecht, Kohl- und Blaumeisen in der Nähe unterwegs sind (so, dass die Insekten gut hindurchschlüpfen können, der Vogelschnabel aber nicht an die Brut herankommt)

Nisthilfe: Marke Eigenbau

Eine Nisthilfe könnt Ihr Euch mit den richtigen Materialien leicht selbst zusammenzimmern. Dabei kommt es für die Insekten nicht auf Schönheit an, sondern auf Funktionalität. Mit Kindern – oder wenn Eure Nisthilfe sehr viel Platz bietet – ist aber natürlich auch erlaubt, mal ein wenig kreativ zu werden, solange die verwendeten Materialien den Tieren nicht schaden. Also: Wenn die Kinder einen Tontopf mit Stroh füllen möchten und damit zwar keine Wildbienen anlocken, aber dort kleine Krabbeltiere beobachten können, ist das aus unserer Sicht durchaus vertretbar. Diese Einrichtung hat für die Insekten zwar keinen besonderen Nutzen, kann so aber dennoch der Naturerziehung dienen.

Der Rahmen

Was den Bau des Rahmens angeht, könnt Ihr Euch an unserer schon einige Jahren alten Bauanleitung für ein Insektenhotel orientieren. Was die Befüllung angeht, gibt hingegen neuere Erkenntnisse, weshalb wir uns im folgenden etwas korrigieren möchten.

Der Innenausbau

Wildbienen benötigen vor allem Niströhren in verschiedenen Größen. Da sie je nach Art eigene Vorlieben haben, könnt Ihr dabei, sofern Eure Nisthilfe groß genug ist, gern verschiedene Materialien anbieten. Wichtig ist, dass die Niströhren hinten verschlossen sind. Die vorderen Öffnungen müssen glatt und splitterfrei sein, damit sich die zarten Tiere nicht verletzen. Für die Niströhren könnt Ihr entweder Bambus nutzen, der den Vorteil hat, dass die hohlen Halme immer an den sichtbaren Verdickungen (Knoten) am Halm ohnehin verschlossen sind. Wenn Ihr sie also an einer Seite immer knapp hinter eines solchen Knotens absägt, habt Ihr gleich einen natürlichen Verschluss. Alternativ könnt Ihr offene Röhren am hinteren Ende mit Lehm oder Watte verschließen.

Tipp: Bambus lässt sich mit einer feinen Metallsäge besser zurechtsägen als mit einer Säge für Holz. Bei dünnen Stängeln funktioniert auch eine scharfe Gartenschere.

Die fertigen Bambusröhren könnt Ihr entweder eng zusammen legen, sodass nichts verrutschen kann (dafür braucht Ihr je nach Größte Eurer Nisthilfe sehr viele Röhren), oder in ein Lehm-Sandgemisch drücken.

Innenausbau der Insektennisthilfe
Beim Innenausbau könnt Ihr ruhig mit vorhandenen Materialien arbeiten, solange sie geeignet sind und dürft dabei auch ruhig etwas kreativ werden

Wenn Ihr Stammabschnitte nutzt, solltet Ihr diese aufrecht stellen oder seitlich hinlegen, ggf. entrinden und Löcher verschiedener Größe in den Stamm bohren.

Achtung: Bohrungen in Baumscheiben oder das Hirnholz sind hingegen eher ungeeignet, da das Holz mit zunehmender Trocknung hier stärker einreißt.

Zusätzlich zu den Niströhren könnt Ihr den Bienen auch dünne markhaltige Stängel anbieten, zum Beispiel von der Brombeere. Diese solltet Ihr senkrecht, entweder einzeln (das wäre näher am Vorbild der Natur) oder in Bündeln festmachen. Das Mark könnt Ihr drin lassen, die Wildbienen nagen sich Ihre Niströhre ggf. selbst hinein.

Beispiel für eine gelungene Insekten-Nisthilfe
Diese gelungene Nisthilfe steht inmitten einer surrenden Blühwiese 

Ihr könnt auch Lehm und Sand in veränderten Anteilen mischen und Löcher hineinbohren. Ist Eure Nisthilfe sehr groß, könnt Ihr ganz zum Schluss auch alle noch bestehenden Hohlräume mit einem Lehm-Sand-Gemisch ausfüllen.

Die Umgebung

In unmittelbarer Nähe zur Nisthilfe müssen sich eine geeignete Wasserstelle sowie ausreichend Futterpflanzen für die Insekten befinden. Falls noch nicht vorhanden legt Ihr am besten mit Regio-Saatgut eine Blühwiese an. Als Tränke eignet sich ein flaches Gefäß, das ihr mit frischem Wasser füllt. Darin brauchen die Insekten einen Landeplatz, zum Beispiel in Form von flachen Steinen, die etwas aus dem Wasser ragen. Noch besseren Schutz vor dem Ertrinken erzielt Ihr, indem Ihr die Schale flächig befüllt. Dafür eignet sich Blähton aus dem Garten- oder Aquarienbedarf besonders gut. Ihr könnt das Gefäß aber auch mit Moos oder kleinen Kieselsteinen auffüllen.

Achtung: Nicht vergessen, das Wasser regelmäßig auszutauschen, um eine Verunreinigung zu verhindern!

Insektentränke mit Blähton
Eine mit Blähton befüllte Insektentränke

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Materialien für Insekten-Nisthilfen

Viele Materialien für die Nisthilfen findet Ihr im eigenen Garten, zum Beispiel markhaltige Stängel. Bambus- oder Schilfröhren könnt Ihr Euch, wenn vorhanden, selbst zusammensuchen und zurechtsägen, aber auch fertig kaufen.

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