Heftfächer 4/2017

Wir bauen ein Insektenhotel!

Ein Insektenhotel ist eine feine Sache. Viele nützliche Insekten finden hier das ganze Jahr über ein Zuhause, in dem sie ihre Brut aufziehen oder überwintern können. Dr. Ralf Klinger zeigt Euch, wie ihr ein Hotel für Krabbeltiere selbst baut!

Garten
Von Dr. Ralf Klinger, 20.02.2017 0 Kommentare

Anleitung für ein Insektenhotel

Baumaterial

  • Kanthölzer (Pfosten-Lösung) oder Bretter (Rahmen-Lösung), Abmessungen ja nach Größe des Insektenhotels
  • Metallwinkel, zu den Maßen der Kanthölzer/Bretter passend
  • Dachpappe
  • Vier Schlossschrauben mit Flügelmuttern

Werkzeug

  • Säge
  • Hammer
  • Bohrmaschine
  • Bohrer verschiedener Durchmesser
  • Tacker (oder kleine Nägel)

Standort

Insekten brauchen zur Entwicklung Wärme. Daher ist ein geschützter, sonniger Platz am besten geeignet. Die Vorderseite sollte nach Süden zeigen und freien Anflug bieten. Zum Schutz gegen Regen sollte ausreichend Platz für ein weit überstehendes Dach eingeplant werden.

Größe

Je größer das Insektenhotel ist, desto mehr Platz bietet es und desto mehr unterschiedliche Arten finden Unterschlupf. Ideal ist eine Höhe von etwa zwei Metern und eine Breite von gut einem Meter. Diese Dimensionen lassen sich in kleineren Gärten oder gar auf dem Balkon nicht realisieren. Aber mindestens 40 Zentimeter breit und hoch sollte das Hotel schon sein.

Zusammenbau

01 Rahmen bauen

Das Insektenhotel braucht einen stabilen Rahmen, der den verschiedenen Nistmaterialien Halt gibt. Je nach Platzangebot bieten sich zwei Varianten an: Wer viel Platz hat (und buddeln will), nimmt zwei Pfosten als Fundament, die er einander gegenüberstehend im Erdreich eingräbt. Zwischen ihnen werden mehrere Querbalken befestigt. Alternativ kann man einen rechteckigen Rahmen mit einer Mindesttiefe von etwa 15 Zentimeter bauen. Diesen stellt man auf Ziegelsteine, damit die Insekten keine nassen Füße bekommen.

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt; auch Weinkisten oder aufeinander gestapelte Europaletten können als Fundament genutzt werden. Wichtig ist nur, dass man daran ein Dach anbringen kann, das weit genug vorsteht, um das Insektenhotel vor Regen zu schützen.

02 Etagen einziehen

Wer sich für die Pfosten-Lösung entschieden hat, befestigt zwischen den Pfosten drei Querbalken. Entweder nimmt man dafür Winkel oder sägt in die Pfosten Vertiefungen, auf denen die Querbalken aufliegen. Hat man einen Rahmen gebaut, kann man entweder einfach ein Holzbrett schräg in die Diagonale legen – das bietet sich besonders bei kleinen Hotels an – oder wiederum mit Winkeln ein oder zwei Querbretter innen am Rahmen befestigen.

03 Zimmer abteilen

Die Etagen zwischen den Querhölzern werden mit Hilfe von senkrecht eingeschobenen Brettchen, die der Tiefe des Rahmens entsprechen (bei der Pfosten-Lösung können sie länger sein), in mehrere unterschiedlich große Kammern gegliedert. Die Brettchen kann man entweder mit kleinen Winkeln fixieren oder in die Querhölzer Vertiefungen sägen, in die man sie hineinstellt.

04 Das Dach

Zum Schluss erhält das Hotel noch ein Dach. Ideal zum Schutz vor Regen ist ein weit überstehendes Satteldach mit einer Neigung von knapp 30 Grad. Dazu befestigt man zwei dreieckige Platten mit der Spitze nach oben am Rahmen beziehungsweise an den Pfosten. Mit einem Bohrer durch Giebelplatte und Pfosten ein zehn Millimeter weites Loch bohren. Anschließend von außen eine oder zwei zehn Millimeter lange Schlossschrauben durchstecken, innen Unterlegscheibe und Mutter aufstecken und festziehen.

Sind beide Giebel in der Weise stabil befestigt, können die Bretter für das Dach angebracht werden, indem man sie quer von Giebel zu Giebel legt und annagelt. Dachpappe macht die Konstruktion regensicher.

05 Die Einrichtung

Um möglichst vielen Insekten eine passende Unterkunft anzubieten, werden viele unterschiedliche Materialien zusammengetragen:

a) Holzstücke oder dickere Äste. Besonders eignen sich Eichen- und Buchenholz. Nadelholz ist weniger geeignet, da die gebohrten Innenwände der Löcher rau werden, was Insekten gar nicht mögen.
b) Durchlöcherte Ziegel aus Lehm oder Ton. Schilf- und echte Strohhalme (kein Plastik) entsprechen den natürlichen Nistplätzen. Auch markhaltige Zweigstü- cke vom Holunder, morsches Holz und verlassene Schneckengehäuse sind gesuchte Nistplätze. Pappröhrchen und – hülsen mit unterschiedlichem Durchmesser (Naturfachhandel)
c) markhaltige Zweigstücke vom Holunder
d) morsches Holz
e) Lehm
f) Kiefernzapfen

Tipp: Wer in der Nähe eines Teiches wohnt, kann auch dort auf die Suche nach altem Schilf gehen. Dort gibt es vielleicht auch eine schlammige Stelle, wo man Lehm bekommt.

06 Nistplätze vorbereiten

Holz: Äste werden auf die Tiefe des Rahmens zurecht gesägt. In Holzstücke oder Äste werden verschieden große Löcher gebohrt. Besonders geeignet sind alle Holzbohrer zwischen ein und acht Millimeter. In völlig unregelmäßiger Anordnung entstehen im Wechsel kleine und größere Löcher, wobei zwei Zentimeter Abstand zueinander ausreichen. Dabei den Bohrer so tief wie möglich eindringen lassen, da viele Bewohner mehrere Nestzellen hintereinander anlegen und zum Schutz vor Parasiten meist die vorderste Zelle leerlassen. Es kann längs oder quer zur Faser gebohrt werden. Achtung: nicht durchbohren! Ist es versehentlich passiert, die rückwandige Bohröffnung mit einem Holzdübel wieder verschließen.

Lehm: Hier können Kinder helfen: Aus gekauftem Töpferton oder gesammeltem Lehm formen die Kinder mit den Händen ziegelsteinartige Klumpen, in die sie mit unterschiedlich dicken Stöckchen viele tiefe Löcher stechen. Auch Schaschlikspieße und Kochlöffelstiele können zum Stechen der Löcher verwendet werden. Danach werden die Tonklumpen in der Sonne oder im Backofen (langsam!) getrocknet. Im Laufe des Jahres können die Kinder beobachten, wie ihre Ziegel dann nach und nach zur Kinderstube werden. Strohhalme und Zweige: Sie werden so auf die Tiefe des Rahmens zurechtgeschnitten, dass sie die Querbalken etwas überragen, auf denen sie später liegen sollen. Dann bündeln und locker zu mehreren dicken Päckchen zusammenschüren.

Die verschiedenen Materialien können sie nun in bunter Reihenfolge – die Löcher bzw. Schnittkanten zeigen nach vorn – dicht an dicht in die verschiedenen Abteile legen. Wer wird wohl der erste Gast sein?

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