Hühner im eigenen Garten halten

Unsere Redakteurin Anna Pechbrenner teilt mit Euch Ihre eigenen Erfahrungen rund um die Hühnerhaltung im heimischen Garten und gibt Euch Tipps für den Start mit dem Federvieh.

Wissen
Von Anna Pechbrenner, 02.05.2017 0 Kommentare

Haben unsere vielen Hühnerfragen im Frühlingsheft bei Euch zu Hause eine große Diskussion à la „Mama, können wir auch Hühner im Garten haben?” ausgelöst? Dann lassen wir Euch natürlich nicht im Regen stehen, sondern helfen Euch, Antworten auf diese – gar nicht so schwierige Frage – zu finden.

Um die Antwort vorwegzunehmen: Ja könnt Ihr, wenn Euer Garten für die Hühnerhaltung geeignet ist und Ihr ein paar Dinge beachtet. Dabei sind zwei Fragen besonders wichtig:

Darf ich Hühner in meinem Garten halten?

Hühner gelten als Kleintiere – daher dürfen wenige Tiere grundsätzlich in jedem Garten gehalten werden, auch wenn es sich um ein reines Wohngebiet handelt. Ihr solltet dennoch Rücksicht auf Eure Nachbarn nehmen und am besten im Vorfeld abklären, ob sie mit dem Federvieh in der Nachbarschaft einverstanden sind. Ein gutes Argument: das Versprechen, sie regelmäßig mit frischen Eiern zu versorgen ;-).

Wieviel Platz brauchen Hühner im Garten?

Das kommt natürlich darauf an, wieviele Hühner Ihr halten wollt und was für einen Stall Ihr baut. Bei festen Hühnerställen gibt es je nach Bundesland unterschiedliche baurechtliche Vorschriften, was den Abstand zur Grundstücksgrenze usw. angeht. Überschreitet er eine gewisse Größe, braucht Ihr außerdem eine Baugenehmigung. Da solltet Ihr Euch im Vorfeld also unbedingt informieren! Ein kleiner, mobiler Hühnerstall kann ohne solche Vorgaben aufgestellt werden. Zusätzlich benötigen Hühner ausreichend Auslauf – Heiko Fröhlich von huehner-haltung.de empfiehlt für artgerechte Haltung etwa 10 Quadratmeter pro Huhn.

Sind diese grundlegenden Fragen geklärt und Ihr denkt im Familienrat ernsthaft darüber nach, Euch zuverlässige Frühstückseilieferanten anzuschaffen, geht es ans Eingemachte. Denn auch wenn Hühner relativ pflegeleicht sind, gibt es einiges zu bedenken:

Was für einen Stall brauchen wir?

Habt Ihr unter fünf Hühner kann ein kleiner, mobiler Stall eine gute Wahl sein. Ihn könnt Ihr, am besten samt Auslauf, frei in Eurem Garten bewegen. Klarer Vorteil: Die Rasenfläche kann sich zwischendurch immer wieder erholen und die Hühner haben Abwechslung. Denn eines sollte Euch klar sein, wenn Ihr einen Hühnerauslauf anlegt: Er bleibt nicht lange grün.

Wollt Ihr mehr Hühner halten, empfiehlt sich ein fester Hühnerstall oder – wenn ihr seeehr viel Platz habt – ein großer, mobiler Hühnerstall (dafür eignet sich z. B. auch ein Bauwagen). Alles könnt ihr selbst bauen (preisgünstiger) oder im Fachhandel (teurer) fertig kaufen. Die wichtigsten Bestandteile eines Hühnerstalles sind Sitzstangen, Legenester sowie eine Futter- und Wasserstelle. Durch Klappen gelangen die Hühner vom Stall aus in den Auslauf.

Tipps zum Hühnerstall-Eigenbau

  • baut aus Stein, nicht aus Holz und – egal wie praktisch sie auch sind – nutzt auf keinen Fall OSB-Platten, denn in den Ritzen können sich Vogelmilben wunderbar einnisten und zur wahren Plage für Hühner und Halter werden!
  • plant am besten einen Bereich ein, in dem Ihr Hühner separieren könnt, falls mal eines krank ist oder für die Brut und Kükenaufzucht, idealerweise mit Zugang zu einem Teil des Auslaufes
  • überdacht im Außenbereich (dem Auslauf/der Voliere) einen Teil, den ihr im Zweifel auch absperren könnt, dann ist immer ein trockener Bereich zum Scharren und Sandbaden vorhanden
  • praktisch ist auch ein Vorraum, in dem Ihr Einstreu, Futter und Gerätschaften lagern könnt, am besten durch eine feste Wand und Tür abgetrennt vom eigentlichen Stall – sonst staubt alles ein
  • bringt Stangen und Nester auf einer Höhe an, in der Ihr sie angenehm erreichen könnt, z. B. zum Reinigen und Eier einsammeln
  • wenn an den Stall nicht eine dichte Voliere angrenzt, müsst Ihr die Luken nachts schließen können, damit keine Raubtiere wie Fuchs oder Marder eindringen können

Können die Hühner auch frei im Garten herumlaufen?

Schwarzes Hühnerküken badet im Sand
Sandbaden lieben schon die Kleinsten

Das ist eine idyllische Vorstellung und auch die Hühner lieben es, sich frei im ganzen Garten bewegen zu können. Dennoch ist ein ausreichend großer Auslauf oder gar eine Voliere aus mehreren Gründen sinnvoll:

  • Schutz vor Raubtieren: je nach Region solltet Ihr bedenken, dass Marder oder Fuchs Hühner fressen
  • Schutz vor Schädlingen und Futterklauern: wenn Ihr vermeiden wollt, dass sich am Hühnerfutter auch andere bedienen, z. B. Mäuse, Ratten und Spatzen, solltet Ihr eine Voliere bauen; wichtig dabei: den Zaun mindestens einen halben Meter tief eingraben, sonst buddeln sie sich darunter durch; Spatzen haltet Ihr mit einem engmaschigen Zaun davon ab, in die Voliere zu gelangen
  • Schutz vor Raubvögeln: das Habicht-Weibchen schlägt auch große Hühnervögel; habt Ihr eines in der Nähe wird es immer wieder kommen – da hilft nur eine überdachte Voliere
  • Schutz des Gartens: Hühner machen leider keinen Unterschied zwischen dem Unkraut und den Blumen im Beet, sondern fressen alles, was ihnen schmeckt … und alles, was ihnen nicht schmeckt, wird zerkratzt und untergebuddelt; wer also Wert auf einen schön gestalteten Garten legt, ist mit einem Hühnerauslauf gut beraten; das gleiche gilt, wenn Ihr Euren Rasen im Sommer als Liegefläche oder Spielwiese nutzen wollt; denn, wenn die Hühner überall herumlaufen dürfen, kacken sie natürlich auch überall hin ;-).

Hühner im Gebüsch
Im Garten scharren Hühner besonders gern im Gebüsch – dort sind sie vor Feinden aus der Luft sicher

Ein guter Kompromiss (mit den Hühnern) ist: im Frühjahr, Herbst und Winter, wenn nichts (mehr) gepflanzt ist, dürfen sie in den Garten. Denn Hühner sind dort durchaus auch nützlich, schließlich gehört zu ihren Lieblingsbeschäftigungen das Umgraben. Sie lockern den Boden auf und entfernen Unkraut und andere Pflanzenreste im Beet. Alternativ könnt Ihr natürlich auch die Beete abzäunen und die Hühner im Rest des Gartens frei laufen lassen.

Hahn oder kein Hahn?

Vorwerkhahn kräht
Über einen krähenden Hahn am Morgen freut sich nicht jeder Nachbar

Artgerechter ist die Haltung mit Hahn. Lebt Ihr jedoch in einem reinen Wohngebiet oder habt empfindliche Nachbarn, solltet Ihr Euch vielleicht lieber gegen ihn entscheiden. Denn ansonsten weckt er die gesamte Nachbarschaft – und das schlimmstenfalls schon vor Sonnenaufgang. Auch das solltet Ihr vorher einfach mit Euren Nachbarn besprechen.

Wieviel Pflege brauchen Hühner?

Hühner können sich gut mit sich selbst beschäftigen und sind in der Pflege nicht sonderlich zeitintensiv, dennoch muss man täglich ein- bis zweimal nach ihnen schauen. Dabei kontrolliert man, ob alles in Ordnung ist und die Tiere gesund sind, macht den Stall sauber, sammelt die Eier ein und gibt Futter und Wasser.

Wer kümmert sich im Urlaub um die Tiere?

Bevor Ihr Euch also Hühner anschafft, solltet Ihr sicher sein, dass Ihr eine Person habt, die sich einmal täglich im die Hühner kümmern kann, wenn Ihr im Urlaub seid. Kleiner Tipp: Ein zuverlässiger Nachbar, der dafür mit Eiern versorgt wird, macht das in der Regel gerne!

Was tun, wenn ein Hühnerleben endet?

Haltet Ihr Hühner wird es irgendwann einmal vorkommen, dass eines krank wird und/oder stirbt. Natürlich gibt es auch mit einem Huhn die Möglichkeit zum Tierarzt zu gehen, ob man ihm damit einen Gefallen tut, ist aber fraglich. Denn so ein Tierarztbesuch bedeutet für das Huhn in erster Linie Stress. Und ist ein Huhn richtig krank, hilft es oft nur, es zu erlösen. Ihr solltet Euch also im Vorfeld überlegen, ob es in Eurer Familie oder im Bekanntenkreis jemanden gibt, der ein Huhn auch schlachten würde. Das gleiche gilt übrigens, wenn Ihr darüber nachdenkt, selbst Küken aufzuziehen. Denn irgendwann sind sie groß und normalerweise sind immer eine Menge Hähne dabei, die Ihr nicht alle alle behalten könnt – mehr als ein Hahn pro Kleingruppe, funktioniert nämlich nicht, und Hähne sind viel schwerer zu vermitteln als Hennen.

Die eigenen Tiere zu schlachten, mag für den einen oder anderen grausam klingen und leicht fällt es sicher niemandem. Dennoch ist es moralisch weit weniger verwerflich als ein halbes Hähnchen aus der Tiefkühltruhe zu kaufen!

Wenn für Euch alles passt, können wir Hühner nur empfehlen. Sie machen viel Spaß und ihr Verhalten zu beobachten, ist wirklich spannend. Dabei werdet Ihr vor allem eines feststellen: dass das Schimpfwort “dummes Huhn” völlig unberechtigt ist!


Unser Experte

Bevor es losgeht, versorgt Euch auch Heiko Fröhlich auf seiner Website mit etlichen Infos rund ums Huhn und beantwortet noch einmal ausführlich die großen Anfängerfragen zur Hühnerhaltung. Sobald Ihr Euch für die richtige Rasse entschieden und die ersten Hühner in Euren Stall einziehen, denkt daran, dass Hühner beim zuständigen Veterinäramt und der Tierseuchenkasse angemeldet werden müssen. Weitere Infos zur Anmeldung und anderen rechtlichen Fragen findet Ihr ebenfalls auf huehner-haltung.de.

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