Heftfächer 4/2017

So lebt es sich als Kind auf einer Hallig

Im Interview mit Warum! erzählt Erik (11) von seinem Leben auf der Hallig Nordstrandischmoor – mitten in der Nordsee.

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Von Jasmin Jaerisch, 28.11.2012 0 Kommentare

Erik (11) von der Hallig Nordstrandischmoor auf einem Boot
Erik (11) lebt mit seiner Familie auf der Hallig Nordstrandischmoor

Erik Hartwig-Kruse (11) verbringt schon sein ganzes „kurzes” Leben auf der Hallig Nordstrandischmoor im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Zusammen mit seiner Mutter Ruth, seinem Vater Hans-Hermann, seiner Oma Frieda und seinen zwei Geschwistern Ann-Kathrin und Hendrik bewohnt er die Norderwarft im Westen der Hallig. Um aufs Festland zu kommen, nutzt die Familie die Lore. Sie fährt auf einem schmalen Steindamm eine Viertelstunde quer durchs Wattenmeer. Mit der Halligbahn wird alles mögliche transportiert: Von Weihnachtsbäumen, Einkäufen, Möbeln bis hin zu Feriengästen. Weshalb Erik glaubt, dass er als Erwachsener nicht mehr auf einer Hallig leben wird, verriet er Warum!-Redakteurin Jasmin Jaerisch im Interview. Weitere Infos über die letzten zehn deutschen Halligen findet ihr in der Winterausgabe von Warum! 2012.

Was gefällt dir an einer Hallig?

Die Ruhe. Im Gegensatz zur Stadt fahren hier nicht überall Autos. Bei uns fährt höchstens mal ein Trecker oder ein Roller. Und natürlich auch die Natur – die ist auch ziemlich schön.

Was machst du nach der Schule?

Meistens aufräumen, sauber machen. Wir haben ja ein ziemlich großes Haus in dem wir wohnen, da muss man immer viel machen. Aber sonst spiele ich sehr gerne mit meinen Neffen und Geschwistern.

Was oder womit spielst du am liebsten?

Auf der Warft fahren wir viel mit Kettcars herum. Wir suchen auch gerne das Ufer nach Strandgut ab. Einmal ist von einem Schiff ein Container mit Holz gefallen, das haben wir dann eingesammelt. Ein andermal verlor ein Frachter einen Container mit einer Schuhladung. Das war ein Riesenspaß! Die Schuhe haben wir Tage später noch gefunden und eingesammelt.

Was habt ihr denn damit gemacht?

Naja, die mussten erstmal saubergemacht werden. Und dann haben wir sie an die ganze Familie und Freunde verschenkt!

Welche Jahreszeit magst du lieber: Sommer oder Winter?

Den Sommer, weil man dann in der Nordsee baden gehen kann. Es ist so schön warm dann. Bei gutem Wetter und wenn Wasser da ist baden wir im Hafen. Nur wenn man mit den Füßen an die Quallen stößt, ist das etwas eklig. Vom Boot aus habe ich mal zwei Schweinswale gesehen! Seehunde sieht man häufiger. Kleine Heuler legen sich manchmal auf die Hallig. Wir beobachten sie dann. Wenn die ganz lange dableiben, brauchen die unsere Hilfe. Dann bringen wir sie zum Festland, zur Seehund-Schutzstation.

Was  passiert, wenn es heißt: Land unter?

Angst habe ich nicht, ich freue mich dann eher darüber, dass wir nicht zur Schule müssen! Aber der Nachteil ist: Wir müssen dann die Schafe von den Weiden holen und wenn die Flut wieder weg ist ziemlich viel sauber machen.

Möchtest du auf der Hallig bleiben oder lieber aufs Festland ziehen?

Naja, das Problem ist: Auf der Hallig kriegt man ja keine Arbeit. Wahrscheinlich werde ich auf dem Festland wohnen. Die Häuser auf den Halligen sind ja meist schon weg und man kann sich ja nicht einfach ein Haus auf einer Hallig neu bauen. Das Haus von meiner Mutter bekommt ja schon mein ältester Bruder.

Erik, vielen Dank für das Interview.

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