Wer hat Angst vor'm Blanken Hans?

Vor allem im Herbst und Winter könnt Ihr ihm im Urlaub an der Nordsee begegnen, dem sagenumwobenen "Blanken Hans". Wer das ist und warum "er" so genannt wird

Redewendungen
Von Anna Biß, 04.08.2023 0 Kommentare

Wenn Ihr die nordfriesischen Inseln besucht, werdet Ihr ihm womöglich begegnen: dem Blanken Hans. Er treibt vor allem im Herbst und Winter sein Unwesen, im Sommer bleibt er meist recht friedlich… "Er" ist gar kein Mensch, sondern die Nordsee selbst. Sie wird symbolisch "Blanker Hans" genannt, wenn sie bei Stürmen und Sturmfluten um die Inseln tobt.

Auch bei schönem Wetter ist die Nordsee wegen des Wechsels zwischen Ebbe und Flut welliger als die Ostsee. Ein Glück für kleine Badegäste – denn Wellenhüpfen oder Bodysurfen macht besonders viel Spaß.

Doch es ist die wilde, raue Nordsee, die die nordfriesische Inselwelt über Jahrhunderte entscheidend geprägt hat – und es noch bis heute tut. Jeder Sturm formt das Inselbild mit, auch wenn die Sturmfluten heutzutage aufgrund des guten Küstenschutzes meist glimpflich ablaufen. Früher, als es noch keine Deiche gab, hat der Blanke Hans oft großen Schaden angerichtet: Noch bis ins 13. Jahrhundert gehörten die heutigen Inseln und Halligen zum nordfriesischen Festland. Das änderte sich mit der sogenannten Ersten Großen Mandränke (dem großen Ertrinken), einer Flutkatastrophe im Jahre 1362. Die Sturmflut riss ganze Landmassen mit sich, zurück blieben die große Insel Alt-Nordstrand sowie einige Reste, die zu den Halligen wurden. Auch das legendäre, sagenumwobene Rungholt soll während dieser Flut untergegangen sein.

Danach fingen die Menschen erstmals an, einfache Deiche aus Holz zu bauen. Doch auch diese konnten Alt-Nordstrand und seine Bewohner*innen nicht vor der Zweiten Großen Mandränke im Jahr 1634 schützen. Die große Insel zerfiel zu Nordstrand, Pellworm sowie mehreren Halligen. Bei Wattwanderungen könnt Ihr noch alte Siedlungsspuren (z. B. Brunnen, Knochen oder Tonscherben) im Wattboden entdecken.

Warum die tobende Nordsee nun ausgerechnet Blanker Hans genannt wird, weiß aber niemand so genau. "Blank" bedeutet auf Plattdeutsch "weiß". Es könnte sein, dass sich das auf die Gischt bezieht. Was "Hans" damit zu tun hat und ob es sich dabei um eine echte Person handelt, ist nicht geklärt. Angeblich stammt der Ausdruck vom Deichgrafen von Risum, der nach der Fertigstellung eines der ersten Deiche "Trotz nun blanke Hans" in Richtung Meer gerufen haben soll.


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