Muttis Mythos: Beim Schielen bleiben die Augen stehen

Ein Eltern-Mythos, gefühlt so alt wie meine 100-jährige Oma: "Wenn Du schielst, bleiben die Augen für immer so stehen". Wir erklären, warum an diesem Mutti-Spruch wirklich nichts dran ist

Kolumnen
Von Anna Biß, 16.05.2022 0 Kommentare

In meiner Kindheit (also vor gut 30 Jahren) könnte folgendes passiert sein: Die Kinder sitzen an der Kaffeetafel mit den Omas und Opas und statt "brav" zu essen, schneiden sie über den Tisch hinweg Grimassen: Sie strecken die Zungen raus, zappeln herum und verdrehen die Augen. Da kann es schnell passieren, dass eine der Omis sagt: "Hör auf zu schielen, sonst bleiben Deine Augen so stehen."

Ja, ich tue Mutti Unrecht, wenn ich Ihr auch diesen Eltern-Mythos zuschreibe, denn eigentlich stammt der eher aus meiner Großeltern-Generation oder ist sogar noch älter. Insbesondere wenn wir uns erschrecken und dabei zufällig bzw. absichtlich schielen, sollen die Augen für immer so stehen bleiben?! Ärztinnen und Ärzte sind sich einig: Das ist wirklich völliger Quatsch!

Zwar gibt es Dinge, die andauerndes Schielen verursachen können – Erschrecken und Grimassenschneiden gehören aber nicht dazu. Wenn Menschen häufiger oder dauerhaft Schielen, sprechen Mediziner*innen von Strabismus. Und der kann verschiedene Gründe haben: Schielen kann zum Beispiel angeboren sein oder durch einen starken Sehfehler, eine Muskelschwäche, Nervenschäden oder verschiedene Krankheiten verursacht werden.

Dass sich die Muskeln beim Schielen "aus Spaß" aber verkrampfen und die Augen so stehen bleiben, ist medizinisch jedoch ausgeschlossen, und daher ungefährlich. Nur wenn Schielen häufig unbeabsichtigt oder ständig auftritt, sollte es auch behandelt werden. Denn gerade bei Kindern kann es sich langfristig auf die Gehirnentwicklung und die Sehfähigkeit auswirken.

Vielleicht hatte Oma das bei ihren Ermahnungen ja im Hinterkopf und es daher nur gut gemeint. Aber fürs spaßhafte Schielen gilt dennoch: Omi, entspann' Dich! Und lass den Kindern ihren Spaß oder sag' ihnen direkt, was Du von ihnen erwartest. Ihnen Angst zu machen, damit sie sich so verhalten, wie Du möchtest, ist aus heutiger Sicht definitiv der falsche Weg!


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