Heftfächer 4/2017

Darf man noch "Eskimo" sagen?

Leser fragen – Warum! antwortet: Warum wir finden, dass Eskimo kein Schimpfwort ist und es deshalb auch schreiben.

Wissen
Von Alexandra Werdes, 03.01.2017 0 Kommentare

Leser André hat uns darauf hingewiesen, dass wir in unserer aktuellen Ausgabe (S. 17) “Eskimo” schreiben, obwohl das ein Schimpfwort sei und man heute “Inuit” sagen müsse. Der Einwand ist sehr berechtigt. Wir hatten ihn selbst im Kopf. Und weil wir natürlich niemanden diskriminieren wollen, haben wir lieber vorher noch mal nachgeschaut.

Immer wieder wird gefordert, die als “Eskimos” bezeichneten Volksgruppen des hohen Nordens grundsätzlich als “Inuit” zu bezeichnen. Dies wird meist damit begründet, dass “Eskimo” – aus der Sprache der südlicher lebenden Anishinabe übersetzt – “Rohfleischesser” bedeute und ursprünglich eine abwertende Fremdbezeichnung gewesen sei. Tatsächlich aber ist die Bedeutung des Wortes “Eskimo” sprachwissenschaftlich immer noch ungeklärt; es könnte auch “Schneeschuhflechter” oder “Mensch, der eine andere Sprache spricht” bedeuten, was jeweils keine Beleidigung darstellen würde.

Die Eskimos selbst bezeichnen sich als “Mensch” – in der Sprache des jeweiligen Stamms kann das “Inuit” heißen, aber auch “Yupik”, “Kalaallit” oder “Inupiat”. Mit der Bezeichnung “Inuit” identifizieren sich also gar nicht alle Eskimos, sondern lediglich eine ihrer großen Volksgruppen. Dies war für uns ausschlaggebend dafür, den herkömmlichen Sammelbegriff “Eskimo” zu verwenden. Denn wir haben das so verstanden, dass nur von “Inuit” zu sprechen ähnlich wäre, wie wenn man alle Indianer “Sioux” nennen würde.

Wobei: auch der Begriff “Indianer” gilt heute in den USA als politisch nicht korrekt, statt dessen wird meist “indigene Völker Nordamerikas” gesagt. Vielleicht wäre es also am korrektesten, wenn man die Eskimos als “indigene Völker des nördlichen Polargebiets” bezeichnen würde. Fragt sich, ob dann noch alle gewusst hätten, wovon eigentlich die Rede ist…

In jedem Fall finden wir es sehr wichtig, in Bezug auf Sprache sensibel zu sein – gerade wenn man vor Kindern spricht. Es ist immer ein Zeichen von Respekt, Bezeichnungen nicht mehr zu verwenden, wenn sie von den Betroffenen als diskriminierend empfunden werden und es gute Alternativen gibt. Da es im Fall der Eskimos aber sogar Inuit-Verbände gibt, die sich selbst auch ganz offiziell als “Eskimos” bezeichnen, hat uns das in der Abwägung “eventuell verletzter Gefühle” versus “Eindeutigkeit der Sprache” bestärkt, das altbekannte Wort zu verwenden. Vielleicht seht Ihr das aber ganz anders – dann würde uns Eure Meinung sehr interessieren!

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