Muttis Mythos: Nach dem Essen nicht schwimmen gehen

Wer kennt ihn nicht – den Eltern-Spruch vom Baden und Essen. Warum sich der Mythos: "Nach dem Essen sollst Du nicht schwimmen gehen" so hartnäckig hält

Kolumnen
Von Anna Biß, 21.06.2022 0 Kommentare

Somme, Sonne, See ... Wir haben Kekse und Äpfel dabei, die Kinder wollen natürlich Pommes und Eis vom Kiosk. "Stopp!", ruft Mutti anschließend in meinem Kopf. Nach so viel Essen sollten sie doch lieber nicht ins Wasser gehen, oder?

Mutti ist nicht ganz allein mit Ihrer Meinung. Auch in den Baderegeln der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) steht wortwörtlich: "Gehe niemals mit vollem oder ganz leerem Magen ins Wasser." Ist dieser Eltern-Spruch also gar kein Mythos?

Fakt ist: Ein paar Kekse oder ein Wassereis sind kein voller Magen! Kleine Snacks bereiten gesunden Menschen in der Regel keine Probleme beim Schwimmen – im Gegenteil: Sie schützen uns vor Unterzuckerung, die im Wasser wirklich zur Gefahr werden könnte.

Ein voller Magen kann, vor allem nach besonders fettigen oder schwer verdaulichen Speisen (wie Pommes!) im Wasser aber unangenehm sein. Denn durch den Wasserdruck fühlen wir uns schnell noch vollgefressener. Und insbesondere Kindern, die beim Baden oft auch noch etwas Wasser schlucken, kann dann schonmal übel werden. Deshalb hält die DLRG an ihrer Baderegel zum vollen Magen fest.

Befinden wir uns im Fresskoma sollten wir uns also vorsichtshalber (!) an das Sprichwort halten, dass Mutti ebenfalls gerne benutzt: "Nach dem Essen sollst Du ruhen oder tausend Schritte tun" – aber eben nicht einmal schwimmend den See durchqueren.

Es kommt also auch darauf an, was wir oder die Kinder nach dem Essen im Wasser machen. Ein bisschen im vorderen Bereich planschen, ohne Wasser zu schlucken, sollte auch nach einer Portion Pommes überhaupt kein Problem sein – mit einem Kopfsprung ins kalte Wasser oder Leistungsschwimmen sollten wir lieber warten, bis das Essen "weitergerutscht" ist.

Gehe niemals mit vollem oder ganz leerem Magen ins Wasser.

Baderegeln, Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG)

Muttis Spruch ist also doch eher als Mythos anzusehen. Denn er beruht auf der Annahme, dass die Gefahr des Ertrinkens durch einen vollen Magen erhöht ist. Das hat sich in Studien aber ebenso wenig bestätigt wie der Zusammenhang der Magenfüllung und der körperlichen Leistungsfähigkeit.

Immer aufpassen müssen Expertinnen und Experten aber Menschen mit Vorerkrankungen, zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bei ihnen könnte Schwimmen nach dem Essen tatsächlich zu risikoreichen Situationen führen. Denn sowohl beim Verdauen als auch beim Schwimmen verbraucht der Körper sehr viel Energie.

Letzteres ist auch der Grund, warum gerade ein leerer Magen zum Problem werden kann. Denn da kann – vor allem bei heißem Wetter – auch bei Kindern und gesunden Erwachsenen schnell der Kreislauf verrückt spielen oder es zu einer Unterzuckerung kommen. Dann droht ein Schwächeanfall oder Kreislaufzusammenbruch und das wäre im Wasser gefährlich.

Also Mutti: rein mit den Keksen und Früchten ins Kind, genügend Wasser trinken und dann ab ins kühle Nass!


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